Literaare

Literaare

News


    

 

26. Oktober 12

Patric
Marino und
Matthias
Nawrat

Raum für Kultur, Thun
20.00 Uhr

Auf ihrer Tour durch den Kanton Bern machen die 2012 von der deutschsprachigen Literaturkommission des Kantons Bern ausgezeichneten Autorinnen und Autoren auch in Thun halt. In Thun lesen Anerkennungspreisträger Patric Marino und Matthias Nawrat, der für seinen Debüt-Roman ausgezeichnet wurde.

Die Lesereihe Literatour 2012 wird vom Amt für Kultur des Kantons Bern sowie von der Stadt Thun ermöglicht.


Patric Marino

Patrick Marinos Erstling «Nonno spricht» beeindruckt mit konsequent eigenem Stil und grosser Genauigkeit in Beobachtung und Sprache. Auf knapp 80 Seiten schildert Marino – der 2011 den Studiengang in Literarischem Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel abgeschlossen hat – einfach, direkt und wunderbar humorvoll Eindrücke aus zahlreichen Sommer-Besuchen bei seinen italienischen Grosseltern in Kalabrien. Dem Leser eröffnet sich in dem sehr nah am Autobiographischen gehaltenen Text eine lebendige, sinnlich über Gerüche und Essen unmittelbar erfahrbare Welt.


Matthias Nawrat

Matthias Nawrat (*1979) siedelt als 10-Jähriger mit seiner Familie aus seiner polnischen Geburtsstadt Opole nach Bamberg über. Vor seinem Studium am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studierte er Biologie. Für seinen Erstling, den 2012 erschienenen Roman Wir zwei allein erhielt er mehrere Preise, darunter auch den Literaturpreis des Kantons Bern. Heute lebt er in Berlin. 2015 erschien im Rowohlt Verlag Die vielen Tode unseres Opa Jurek, sein dritter Roman.

Darin setzt sich Nawrat mit der Geschichte seines Heimatlandes im 20. Jahrhundert auseinander – einer Geschichte, die es nur im Spiegel zahlreicher subjektiv erlebten, individuellen Geschichte gibt. Nawrats Roman beruht teilweise auf seiner eigenen Familiengeschichte. Als Vorlage für die Figur des unendlich lebenshungrigen und unerschütterlichen Opa Jureks dienten Aufzeichnungen des einen Grossvaters Nawrats. Hinzu kamen Recherchen historischer Quellen sowie unzählige Gespräche des Autors mit Zeitgenossen, die er auf Reisen quer durch Polen führte.

Auf der Grundlage dieser Erzählungen macht Nawrat auf sehr anrührende und zugleich fast schelmische Weise nachvollziehbar, welche Ungeheuerlichkeiten das Nazi-Regime wie auch die sowjetische Herrschaft in Polen angerichtet haben. Dank seinem Humor und unbändiger Vorstellungskraft ist Opa Jurek ein Meister darin, widrigste Tatsachen in einem günstigeren Kontext als dem offensichtlichen zu sehen. Die vielen Tode unseres Opa Jurek ist Nawrats Feier dieser lebensrettenden Kraft des Humors und der Fantasie.

 

Moderation: Lejla Šukaj

 

Hinweis: Die Lesung wird simultan in Gebärdensprache übersetzt. Es wird eine induktive Höranlage installiert sein.