Jenny Erpenbeck

Jenny Erpenbeck ist in Berlin in eine Schriftstellerfamilie hineingeboren worden, wo sie heute lebt. Nach einer Lehre als Buchbinderin arbeitete sie an diversen Theatern, zuerst als Garderobiere und Requisiteurin, später als Regieassistentin und bald auch als freischaffende Regisseurin. 1999 erschien ihr Debut „Die Geschichte vom alten Kind“, eine wundersame Geschichte eines wunderlichen Mädchens. 2001 erhielt Jenny Erpenbeck den Jurypreis am Ingeborg-Bachmann-Preis für ihren Text „Sibirien“. Auch ihre weiteren Prosatexte wie „Tand“, „Wörterbuch“ oder der zuletzt erschienene Roman „Heimsuchung“ wurden vielfach ausgezeichnet, und ihre Kolumne in der FAZ ist eine Liga für sich. 2008 erhielt Jenny Erpenbeck den Solothurner Literaturpreis.

Ihre Geschichten zeugen alle von einer einzigartigen Herangehensweise an den Text, und davon, dass Jenny Erpenbeck eine begnadete Erzählerin ist, die es vermag, einem jeden Stoff seine eigene Sprache zu verleihen. Sie versteht es, ihren Texten Geheimnisse einzuschreiben, Geheimnisse, die jeder Leser individuell entschlüsseln kann und soll. So lässt einem „Die Geschichte vom alten Kind“ ratlos zurück, eine Erzählung über ein Mädchen, das zu gross ist und zu alt für sein Alter, ein Mädchen, von dem keiner weiss wo es herkommt und das auch keiner recht einzuordnen vermag – es selber am wenigsten. Die Sprache, in der die Misere geschildert wird, ist von einer derart unbehaglichen Beschaffenheit, dass man nicht imstand ist, Position für das Mädchen zu ergreifen, ebenso wenig wie die anderen Kinder, mit denen es zu tun hat, geschweige denn die Lehrer des Heimes, in das es gesteckt wird.

Ganz anders die Sprache von „Heimsuchung“, einem Buch, das die Geschichte von einem Haus und seinen Bewohnern während des 20. Jahrhunderts erzählt. Das Haus sieht den Krieg, es beherbergt Menschen der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Religionen, und der Einzige, der immer da ist, ist der Gärtner, der dem Buch einen märchenhaften Anstrich verleiht. In einer Sprache voller Ausdruckskraft und Poesie zoomt Jenny Erpenbeck an den Ort der Geschehnisse heran, um am Ende genau so kunstvoll den kleinen Flecken Erde in der Nähe Berlins, wo das Haus steht, wieder zu verlassen.

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