Josef Haslinger

- ©Jürgen Bauer
Josef Haslinger (*1955) ist Schriftsteller und Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Berühmtheit erlangte er 1995 mit seinem Debütroman "Opernball", der von einem rechtsradikalen Terroranschlag handelt und einen enthüllend-kritischen Blick auf die österreichische Gesellschaft wagt. In seinem zweiten Roman "Das Vaterspiel" erzählt Haslinger die Geschichte des Sohnes eines sozialdemokratischen Ministers, daneben thematisiert er das Schicksal litauischer Juden während des Nationalsozialismus.
Auch in "Jáchymov" setzt er sich mit einem schwierigen Kapitel der europäischen Geschichte auseinander – dem Stalinismus. Die titelgebende Stadt Jáchymov im tschechischen Erzgebirge ist heute ein Kurort, die Uranvorkommen in der Gegend machten sie aber auch zum Schauplatz scheusslicher Verbrechen. Das kommunistische Regime errichtete dort nach 1945 ein Arbeitslager, wo Gefangene ohne jeglichen Schutz zum Abbau des hochgiftigen Urans gezwungen wurden. Bohumil Modrý, Torwart der tschechoslowakischen Eishockeymannschaft, zweifacher Weltmeister und Olympiazweiter, war einer dieser Gefangenen. Haslinger lässt in seinem Buch dessen (fiktive) Tochter zu Wort kommen: Angeregt durch den kranken Wiener Kleinverleger Anselm Findeisen legt sie in einem Manuskript Zeugnis der tragischen Familiengeschichte ab. Fundiert recherchiert und in angemessen zurückhaltendem Ton verfasst, ist "Jáchymov" ein eindrücklicher Dokumentarroman über die schmerzliche Spur, die dunkle Ideologien im Leben der Einzelnen hinterlassen können.