Rolf Lappert
Die short list für den ersten Schweizer Buchpreis im Herbst 2008 bot eine grosse Überraschung: „Nach Hause schwimmen“, das neue Buch von Rolf Lappert, das den Preis verdientermassen auch erhielt. Der Autor schien von der Blidfläche verschwunden zu sein, bis sein Roman im letzten Frühling erschien.
„Nach Hause schwimmen“ist ein Glücksfall. Der Autor hat vor zehn Jahren sein letztes Buch veröffentlicht, seither einen Jazzclub gegründet und als Sitcom-Autor von „Mannezimmer“ gearbeitet.
Rolf Lappert erzählt in „Nach Hause schwimmen“ von Wilbur, einem Knaben, dessen Mutter bei seiner Geburt stirbt. Der Vater verschwindet daraufhin, und nachdem der Junge seine Kindheit zuerst bei der Grossmutter, und dann in Heimen und Pflegefamilien verbracht hat, macht er sich auf die Suche nach seiner Herkunft, auf die Suche nach seinem Vater. Das Buch kann gelesen werden als eine coming of age Geschichte, ein Entwicklungsroman, ein Reisebericht. Die vielen verschiedenen Stationen, welche Wilbur durchlebt, sind so vielfältig, und in ihrer Vielfalt so anschaulich geschildert, dass man am Ende das Gefühl hat, man habe mit Wilbur zusammengelebt. Es gelingt Rolf Lappert, eine Geschichte so zu erzählen, als wäre sie mitten aus dem Leben gegriffen. Wenn Wilbur zusammen mit seinem Freund Connor bei Orla, der Grossmutter, heisse Schokolade trinkt, dann weiss man, dass dies die beste heisse Schokolade der Welt ist, und es ist einem, als würde man mit am Tisch sitzen und Schokolade trinken. Bei jeder heissen Schokolade, die man später trinken wird, wird man unweigerlich an Wilburs heisse Schokolade denken müssen, an seinen Freund, seine Grossmutter und deren tragischen Tod.
Aber auch später, als Wilbur Aimee kennenlernt und sich in sie verliebt, versteht man nur zu gut, warum er sie verlässt, warum er einfach aus dem Haus herausläuft, obwohl er Aimee liebt. Man kann es zwar nicht rational begründen, ausser damit, dass Rolf Lappert es versteht, auch Emotionen so lebensecht zu beschreiben, dass man sie nachvollziehen kann, kurz, dass man mitfühlt.
Rolf Lappert hat an der Preisverleihung die anderen nominierten Autoren auf die Bühne gebeten, da diesen ebensoviel Ruhm zukomme wie ihm, und gemeint, daraus sollte sich eine „kleine Tradition“ entwickeln. Einer, der imstand ist, so leichtfüssig an die grosse Tradition amerikanischer Erzähler anzuschliessen, hat den ersten Schweizer Buchpreis mehr als verdient. Und darf gerne weitere Traditionen ins Leben rufen, und vor allem aber darf er gerne noch viele weitere Bücher schreiben.
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