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Eröffnung

Katharina Hacker

„Vom Sichtbaren wissen wir so wenig, noch weniger vom Unsichtbaren.“ Dass neben der offen zutage liegenden, rational erklärbaren Welt ein solches Unsichtbares existiert: So viel immerhin weiss Skip Landau, grübelnder Erzähler und Titelheld aus Katharina Hackers (*1967 in Frankfurt a. M.) jüngstem Roman Skip (2015). In unregelmässigen Abständen erklingen und erscheinen Skip Stimmen und Gesichter, die ihn an Orte rufen, wo sich ein Unglück ereignet. Es sind dies die Seelen jener, die so plötzlich und unvorbereitet aus ihren Leben gerissen wurden, dass sie, posthum, Skips Begleitung in den Tod bedürfen. Mit dem israelischen Architekten Skip, dessen Name sich sowohl mit „hüpfen, springen“ als auch mit „auslassen, überspringen“ übersetzen liesse, hat Hacker eine feinsinnige und äußerst nachdenkliche Figur geschaffen. Erzählend versucht Skip nicht nur seine Beziehung zu den Toten zu ergründen, sondern auch seine von Liebe, Entfremdung und Einsamkeit geprägte Beziehung zu seiner Frau Shira und zu seinen Söhnen Avi und Naim. Zugleich reflektiert er seine prekäre Identität als Mann, als Vater und Jude. In Skips philosophischen Streifzügen, die uns nach Berlin, Paris und insbesondere ins Tel Aviv der 1990er Jahre führen, drückt sich die Sehnsucht aus, gleichsam an die tieferen Dinge des Lebens zu rühren und Aufschluss über existentielle Fragen zu erlangen. Skip ist ein berührendes, sprachlich eindringliches und lange nachhallendes Buch des Abschieds und der inneren Verlorenheit. Katharina Hacker lebte selbst mehrere Jahre in Israel und befasste sich bereits in ihrem Debüt Tel Aviv. Eine Stadterzählung (1997) mit der Gegenwart und Geschichte Israels. Als Jurymitglied des Deutsch-Hebräischen Übersetzerpreises setzt sie sich für den Austausch zwischen den Sprachen und Kulturen ein. Für ihren Roman Die Habenichtse wurde Hacker 2006 der Deutsche Buchpreis verliehen.

 

Moderation: Moritz Wagner

 

Hinweis: Die Lesung wird simultan in Gebärdensprache übersetzt. Es wird eine induktive Höranlage installiert sein.



Foto: © Renate von Mangoldt