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Barbi Marković

Im Alltag eine bürgerliche Existenz, im Notfall ein Superheld – das war gestern. Dem reichlich angestaubten Bild des einsamen Heroen stellt Barbi Marković in ihrem Debütroman Superheldinnen ein düster-abgeklärtes Migrantinnen-Trio entgegen. Die Superheldinnen von heute sind tagein tagaus mit existenziellen Widrigkeiten konfrontiert, den eigenen oder denjenigen ihrer Mitmenschen. Bürgerlich an ihnen ist einzig die Ausstattung ihrer Wunschträume, die Superkräfte hinter sich zu lassen und mit einer mittelständisch bequem gedeckten Maestro-Karte shoppen zu gehen.

Herrlich unprätentiös, mit sprödem Understatement und subtilem Witz erzählt Barbi Marković von der sogenannten Integration. Leichtfüssig macht sie dabei einen grossen Bogen um das Klischee der «armen Migrantinnen». Durch ironische Brechungen und ein wenig Magie – sie kann Städte sprechen lassen – gelingt es der Autorin, ein leicht grotesk anmutendes, dafür umso deutlicheres Bild der gegenwärtigen urbanen Befindlichkeit zu zeichnen. Superheldinnen ist eine kluge Herausforderung gängiger Sichtweisen und durchaus auch herausfordernder Roman.

Barbi Marković (*1980) hat Germanistik in Belgrad und Wien studiert. 2006 veröffentlichte sie in Serbien Izlaženje – einen literarischen Remix der Erzählung Gehen von Thomas Bernhard, die sie übersetzt und deren Handlung sie in die Belgrader Clubbing-Szene übertragen hat. 2009 ist Ausgehen ins Deutsche rückübersetzt worden und bei Rowohlt erschienen – seither gilt Marković als Popliteratin einer neuen Generation. Für ihre Kurzgeschichten, Theaterstücke und Hörspiele erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Marković lebt seit 2006 in Wien. Superheldinnen, im Residenz Verlag erschienen, ist teilweise auf Deutsch und teilweise auf Serbisch geschrieben worden, übersetzt hat Mascha Dabić.

 

Moderation: Lejla Šukaj

 

HIN­WEIS: Im Saal ist eine in­duk­tive Hör­an­lage in­stal­liert.

 



Foto: © Aleksandra Pawloff